Kritik – 4 Könige

4 Könige

Laufzeit: 103 Min. // FSK: 12 // Genre: Drama
Verleih: Port au Prince Film- und Kulturproduktion GmbH



„4 Könige“ ist das Regiedebüt von Theresa von Eltz. Es ist ein großartig gespieltes Drama über vier Jugendliche, die die Weihnachtsfeiertage in einer psychiatrischen Anstalt verbringen.

Die 4 Hauptcharaktere Lara (Jella Haase), Alex (Paula Beer), Fedja (Moritz Leu) und Timo (Jannis Niewöhner) landen kurz vor Weihnachten in einer psychiatrischen Einrichtung.

Die Jugendlichen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, bleiben während der Feiertage in der Einrichtung. Freiwillig, wie ihr behandelnder Psychiater Dr. Wolf (Clemens Schick) klarstellt.

„Kennt ihr wichteln?“

Nach einem Spaziergang zu einem idyllischen See, teilt der unkonventionelle Psychiater den Jugendlichen seine Idee mit. Lara, Alex, Fedja und Timo sollen sich gegenseitig erzählen, was sie an Weihnachten mögen. Die Gespräche können sie auf Video festhalten.

©Port au Prince Pictures

©Port au Prince Pictures

Zwischen Angstattacken und Trauma – ein ganz normales Weihnachten

Die Gründe für den Aufenthalt der 4 Jugendlichen werden im Verlauf des Films aufgeklärt. Sie werden jedoch nicht durch eine emotionale Vorgeschichte direkt aufgedrückt, sondern teilweise nur durch die Gespräche der Jugendlichen und des Psychiaters angedeutet oder angesprochen.

Timo, der auf Wunsch des Psychiaters Dr. Wolf von der geschlossenen Einrichtung zu der Gruppe gestoßen ist, neigt zu großen Wut- und Aggressionsausbrüchen.

Fedja, der von seinen Mitschülern drangsaliert wurde und nun verängstigt und traumatisiert ist.

Alex, die unter der Trennung ihrer Eltern leidet, hat mit Angstattacken zu kämpfen.

Lara, die mit den Folgen übermäßigen Drogenkonsums und der daraus resultierenden Psychose zurechtkommen muss.

Vielmehr erfahren wir nicht. Vielmehr müssen wir auch gar nicht erfahren. Der Film verfällt so wenigstens nicht in eine emotionale Erklärungsnot.

„Weniger ist mehr!“

Dem Motto ist sich Theresa von Eltz scheinbar treu geblieben. Ist die reduzierte Inszenierung doch eine der größten Stärken ihres Films.

Das kühle Weiß der psychiatrischen Einrichtung wird nicht durch bunte Farben überlastet. Vielmehr wird hier mit dem Kontrast des dunklen Waldes und der dunklen Jahreszeit gespielt.

Auch der Soundtrack reiht sich in die stilistische Richtung des Bildes ein. Kommt der Film doch mit 2 Titeln von „Marteria“ sehr gut aus. Während andere Filme einem in manchen Szenen einen Score aufsetzen, müssen wir hier die Stille aushalten bzw. haben die Möglichkeit die Szenen wirken zu lassen.
Dies kommt gerade bei Timos Wutausbrüchen aber auch bei Fedjas Sturz aus dem Fenster sehr gut zur Geltung.

Beeindruckende Darstellung

Jella Haase hat bereits bewiesen, dass sie die Rolle der „Chantale“ („Fack ju Göhte“) sehr gut verkörpert. In dieser Rolle ist sie zu Teilen auch hier zu sehen. Der Unterschied ist jedoch, dass sie ihrem Charakter deutlich mehr Tiefe und Verzweiflung verleihen darf. Haase liefert hier eine starke Leistung ab. Und untermauert, weshalb sie eine der gefragtesten Jungdarstellerin ist.

Heraussticht jedoch Jannis Niewöhner. Auf der vermeintlich sicheren heimischen Couch ist man starr vor Angst, wenn Niewöhner in der Rolle des „Timo“ einen seiner Wutausbrüche bekommt.
Die Darstellung ist beeindruckend und beängstigend intensiv zugleich.

Auch die beiden Nachwuchsdarsteller Paula Beer und Moritz Leu sind in ihren Rollen authentisch. Wenngleich sie im Vergleich zu Niewöhner und Haase leider etwas blass wirken.

Insgesamt funktioniert die Zusammenstellung des Cast sehr gut. Auch im Ensemble wirken die doch recht unterschiedlichen Charaktere sehr harmonisch. Clemens Schick als Psychiater Dr. Wolf reiht sich ebenfalls sehr gut in das Ensemble ein.

©Port au Prince Pictures

Fazit

Theresa von Eltz zeigt mit ihrem Regiedebüt eine imponierende Leistung.
Die Schwachpunkte des Drehbuchs werden durch den unglaublich starken Cast und die sehr gute Inszenierung wieder wettgemacht.

Bewertung der Nerdpunks: 7,0 von 10


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