Prospect

Das Langfilmdebüt der beiden Regisseure Zeek Earl und Chris Caldwell feierte auf dem South by Southwest Film Festival seine Premiere und hinterließ Eindruck. Prospect gewann den Adam Yauch Hörnblowér Award und wurde daraufhin vom Sci-Fi-Verleih Dust aufgekauft.

Die Leistung ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass Zeek Earl und Chris Caldwell für ihr Filmdebüt nur ein Budget von unter 4 Millionen Dollar hatten – in Anbetracht der heutigen Investitionssummen ein sehr überschaubares Budget.

Prospect hat sich inzwischen als kleiner Sci-Fi-Geheimtipp etabliert und kann bei Amazon Prime Video gestreamt werden.

Handlung:

Cee (Sophie Thatcher) und ihr Vater Damon (Jay Duplass) haben sich auf einem fremden und unbewohnbaren Mond eine Lizenz zum Ernten von Bodenschätzen gesichert. Bei Anflug des dicht bewaldeten Planeten kommt es jedoch zu einer Fehlfunktion der Transportkapsel und das Vater-Tochter-Gespann legt eine Bruchlandung hin, wobei die Transportkapsel irreparabel beschädigt wird.

Kurz darauf wird Damon von zwei Outlaws entdeckt. Nach einem kurzen Wortwechsel folgt ein Schusswechsel. Cee ist in einer aussichtlosen Lage und geht unfreiwillig eine Kooperation mit dem Überlebenden Ezra (Pedro Pascal) ein.

Science-Fiction meets Western

Die Story in Prospect ist dem Grunde nach ein klassischer Western – nur eben im Science-Fiction-Gewand. Die altbekannte Goldsuche kommt hier in Form einer Perlensuche daher. Auch die unfreiwillige Kooperation mit einem unsympathischen und doch charismatischen Outlaw ist nicht neu. Weitere Elemente des Western wie z. B. der Schusswechsel sind im weiteren Verlauf der Geschichte deutlich sichtbar.

Erfrischend ist, dass die beiden Regisseure für ihre Story kein klassisches Westernsetting gewählt haben, sondern ihre Geschichte auf einem toxischen und dicht bewaldeten Planten gelegt haben. Und dieser Genre-Mix weiß durchaus zu gefallen.

Der Look ist dreckig, verbraucht und abgenutzt. Nicht glattpoliert, wie viele Vertreter im Genre. Die Weltraumanzüge und Transportkapseln kommen in einer 70iger Retro-Optik daher und erinnern an die Anfänge der Weltraumfahrt. Auf große CGI-Effekte wird weitestgehend verzichtet – es wird auf handgemachte Effekte gesetzt, wie z. B. die Luftpartikel auf dem Mond.

Prospect beweist hier sehr gut, dass Science-Fiction keine opulenten Weltraumschlachten benötigt, um eine großartige Optik und Atmosphäre zu schaffen.

© capelight pictures OHG

Zwischen Misstrauen und Vertrauen

Die beiden Protagonisten Cee und Ezra treffen auf ihrer beschwerlichen Reise auf das ein oder anderen Hindernis, welches auch ihre kameradschaftliche Beziehung auf die Probe stellt. Und gerade hier zeigt Pedro Pascal (u. a. aus Game of Thrones, Triple Frontier) sein ganzes Können. Ist er nun Freund oder Feind?

Aber auch Sophie Thatcher (u. a. Chicago Med) zeigt, dass in Zukunft mit ihr zu Rechnen ist. Sie spielt die verunsicherte, verängstigte und auch gleichzeitig starke junge Frau großartig, wenngleich ihr Pedro Pascal ein wenig die Show stehlt.

Beide Schauspieler lassen in ihrem Spiel eine gewisse Freiheit, die die Zuschauerin / der Zuschauer selber zu füllen vermark – fast schon philosophisch können die beiden Protagonisten weitererzählt werden. Dieser Interpretationsspielraum gibt den Charakteren Tiefe und Herz, die sie gekonnt in Szene setzen.

Ein Score der unter die Haut geht

Daniel L.K. Caldwell hat einen hervorragenden Score beigesteuert, der die Atmosphäre und Bilder in Prospect pointiert untermalt und teilweise sogar aufwertet. Caldwell konnte (leider) bisher noch nicht weiter auf sich aufmerksam machen – dieser fantastische Score sollte ihm jedoch alle Türen offen.

Prospect ist ein atmosphärischer, toll gespielter und mit einem grandiosen Score ausgestatteter Sci-Fi-Western. Der Schlussakt wirkt leider etwas gehetzt und drückt die sonst ruhige Stimmung und Erzählweise. Auch das geringe Budget merkt man dem Film in manchen Momenten an.
Dennoch sollten Fans des Genres diesen Film unbedingt gesehen haben. Prospect ist ein Science-Fiction-Film mit Herz und sollte nicht länger nur ein Geheimtipp bleiben.


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